Hannover: Hauptportal der Bethlehemkirche

Karl Mohrmann entwarf mit der Bethlehemkirche ein Gesamtkunstwerk im „modernen germanischen Stil“ einer von ihm so bezeichneten und verstandenen Stilrichtung der Neuromanik. So hat er für die Bethlehemkirche Architektur, Inventar und Wandmalerei nach mittelalterlichen Vorbildern entworfen.

Das prächtige Hauptportal ist dem Baukörper vorgesetzt. Gebündelte Säulen mit Flechtbandmotiven tragen den mehrfach verkröpften und profilierten Rundbogenaufbau. Dieser besteht aus mehrfach profilierten Rundbögen, über denen sich ein großzügiger Dreiecksgiebel mit Dreipass erhebt. Im Tympanon befindet sich ein Glasmosaik mit der Darstellung der Geburt Christi und Anbetung der Könige. Links und rechts des Portals befinden sich je vier Nischen mit Bronzefiguren von Propheten und Aposteln. Den Hintergrund der Figuren bilden Goldmosaike.

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Das Mosaik im Tympanon entwarf der hannoversche Kunstmaler und Professor Ernst Pasqual Jordan 1906 unter Mitwirkung des Konsistorialbaumeisters und Erbauers der Bethlehemkirche, Karl Mohrmann. Mit der Anfertigung war die Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner beauftragt. In deren Werkstatt in Rixdorf (heute Berlin-Neukölln) wurde das Mosaik in mehreren Kompartimenten gefertigt und so nach Hannover transportiert. Die Anbringung erfolgte durch Mitarbeiter Puhls & Wagners.

Wir haben Mosaik und Naturstein restauratorisch untersucht sowie eine Bestands- und Zustandsermittlung durchgeführt. Unsere Ergebnisse werden in eine zukünftige Restaurierung einfließen und die bauseitige Planung und Konzepterstellung erleichtern und bereichern.
Darüber hinaus haben wir uns intensiv mit der Entstehungsgeschichte des Mosaiks auseinandergesetzt und viele Text- und Bildquellen ermittelt. So konnten Erkenntnisse zur Geschichte der Mosaiktechnik und zu den beteiligten Künstlern gewonnen werden, die für diesbezügliche Forschungen wichtige Bausteine liefern können.

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Bestand und Zustand
Das Mosaik über dem Portal ist aus Smalten gefertigt, beim Versetzmörtel handelt es sich vermutlich um einen Kalk-Zement-Mörtel. Das Mosaik zeigt sich heute in einem recht guten Zustand, in dem sich Schäden auf wenige Bereiche beschränken. Die gesamte Oberfläche des Mosaiks ist durch atmosphärische Verschmutzungen und Flugstäube verschmutzt. In wenigen Bereichen sind Hohlstellen, Risse, fehlende oder lockere Smalten feststellbar. Besonders der partielle Verlust oder die Beschädigung der Goldfolien ist auffällig. In einigen Bereichen sind Oberflächenverluste und Ausbrüche an den Smalten feststellbar.

Beim Naturstein des Hauptportals handelt es sich um roten und hellen Sandstein. Verschwärzungen und Krustenbildung verändern das Erscheinungsbild besonders im Bereich der Ornamentik und nehmen Einfluss auf die Trocknungsprozesse des Natursteins. Markant sind die schwarz-grauen Verfärbungen, die sich in vielen Bereichen bereits zu Krusten ausgebildet haben und partiell zu Abplatzungen geführt haben. Zusätzlich durchziehen feine Risse diese Bereich, so dass in der Folge mit weiteren Verlusten der Originalsubstanz zur rechnen ist. Die Rissbildung entlang der Fugen ist besonders auffallend und offenkundiger Schadensfaktor. Wasser kann durch die schadhaften Fugen ungehindert eintreten und verursacht dadurch Folgeschäden. Außerdem zeigen die vermehrt auftretenden Flankenabrisse, dass das verwendete Fugenmaterial nicht geeignet ist. In Bereichen, in denen die Kruste bereits abgeplatzt ist, ist der Sandstein größtenteils mürbe und sandend. Vielfach zeigen sich Schalenbildung oder Verlust der Schalen. Im Bereich des Sockels gibt es sichtbare Salzausblühungen, hier wird eine weiterführende Analyse auf bauschädliche Salze empfohlen.

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Auftraggeber: Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Amt für Bau- und Kunstpflege Hannover
Datierung: 1904-08

Leistung: Bestands- & Zustandserfassung,
Schlagwörter: Mosaik, Naturstein,

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